Rundgang durch St. Georg mit den Hamburg Greetern

St. GeorgUnsere beiden Hamburg Greeterinnen Marie-Luise und Karin sind ganz in St. Georg verliebt, jede auf ihre Art. Warum das so ist, wird bei einem Rundgang durch St. Georg ganz schnell klar, denn es bietet auf kleinster Fläche Vielfalt, geheime Ecken, kulinarische Erlebnisse, traditionelles Kunsthandwerk und einen lebendigen Stadtteil. Begleite sie auf einem kostenlosen Rundgang durch St. Georg, dem quirligen Trendviertel zwischen Alster und Hauptbahnhof.

Lange Reihe: verrückte, vielfältige und urige Erlebnismeile

Wir haben uns um 10:30 Uhr mit unserem Greeter Heinz vor dem Konzerthaus ( nähe Hauptbahnhof) getroffen. Die Chemie hat sofort auf beiden Steiten gestimmt und so zogen wir drei los um den Stadtteil...

St. Georg, die Lange Reihe und der Alsterstrand

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St. Georg: katholischer Dom und viele Moscheen

Wir lernten St. Georg von Hildegund bei Herbststurm Mortimer kennen. St. Georg bietet eine recht bunte Mischung aus verschiedenen Lebensformen und Religionen. Hildegund zeigte uns in ihrem...

Große Vielfalt auf kleinstem Raum

St. Georg - Von Autor unbekannt - Hamburg, historisch-topographische und baugeschichtliche Mitteilungen, O. Meissner Verlag, Hamburg, 1868,, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903736

Geschichtliches

In den über 800 Jahren seiner Geschichte hat sich St. Georg vom Standort eines Siechenhauses für Leprakranke gewandelt in ein trendiges Stadtviertel mit kultureller Vielfalt. Benannt wurde der mit 11.000 Einwohnern recht kleine Stadtteil Hamburgs nach dem Ritter St. Georg, dem Schutzpatron der Kranken. Überall im Viertel ist er zu finden, im Garten und auf dem Turm der Dreieinigkeitskirche oder auch auf dem einzigen Kontorhaus von St. Georg. Eine Apotheke auf der Langen Reihe ist nach ihm benannt, genauso wie die Stadtteilzeitung „Der lachende Drache“.
Lange Zeit war hier alles angesiedelt, was man nicht innerhalb der Stadt haben wollte, wie beispielsweise der Galgen, der Hexenverbrennungsplatz, die Loh- und Pulvermühle sowie der Pestfriedhof. Nichts davon ist heute noch zu sehen. Erst nachdem 1842 der Große Brand in Hamburg ausbrach, wurde die Fläche genutzt, um die Wohnungslosen unterzubringen. Aber nicht nur das, auch die wohlhabenden Leute Hamburgs entdeckten die Wiesen an der Alster als hervorragende Standorte für ihre Sommerhäuser.
Als die Industrialisierung ihren Lauf nahm, wurde der Hauptbahnhof errichtet, und mit ihm kamen die Hotels und Theater in den Stadtteil, aber später dann auch die Drogenszene und Prostitution. In den 60er Jahren war St. Georg so heruntergekommen, dass man alle Häuser bis auf die beiden Kirchen abreißen und das sogenannte Alster-Manhattan errichten wollte: Wohntürme mit 62 Stockwerken bis direkt an die Alster, mit unterirdischen Fußgänger-Förderbändern bis in die Stadt. Dass es nicht so weit kam, ist allein der Pleite des Wohnungsbauunternehmens „Neue Heimat“ zu verdanken, denn die Genehmigung gab es bereits.
St. Georg wurde daraufhin saniert und ist heute ein multikulturelles und weltoffenes Viertel mit vielen Geschäften, Restaurants und Cafés.
Mariendom St. Georg - Foto: Hamburg-Greeter

Religiöse Vielfalt

Die evangelische Dreieinigkeitskirche ist die älteste hier und erinnert in Details auch ein wenig an die St. Michaeliskirche. Wenn man Glück hat, ist sie geöffnet und man kann eines der ältesten Kunsthandwerke Hamburgs bewundern, eine gut erhaltene Kreuzigungsgruppe von 1450. Die Kirche ist seit langem mit der AIDS-Hilfe eng verbunden, was mit den vielen homosexuellen Einwohnern zu tun hat. Auch engagiert sie sich bespielhaft für die Obdachlosen und stellt somit eine wichtige Institution dar. Um die Kirche herum lässt sich viel entdecken, so ist hier zum Beispiel Freddy Mercury durch einen Gedenk-Pflasterstein des Berliner Künstlers Tom Fecht verewigt oder auch der Wohnort des Boxers Max Schmeling zu finden.
Hamburg hat auch einen katholischen Dom, den Mariendom, und das nicht wie üblich in der Stadtmitte, sondern in St. Georg. Er sieht mit seinen Doppeltürmen dem Bremer Dom sehr ähnlich. So richtig alt ist er allerdings nicht, denn seit der Reformation durften lange Zeit keine katholischen Kirchen in Hamburg gebaut werden. Erst 1893 war es dann soweit. Direkt nebenan ist als etwa 300 Kilogramm schwere Bronzefigur Papst Johannes Paul II zu finden, der verantwortlich dafür war, dass Hamburg heute Erzbistum ist. Die Gemeinde ist Anlaufpunkt für die katholische Bevölkerung aus der Umgebung, und es gibt sogar Gottesdienste in portugiesischer und kroatischer Sprache. Nicht verpassen sollte man den Besuch des Kolumbariums (eine Urnengrabstätte unter dem St. Marien-Dom), ein wunderbarer Ort der Stille.
Ganz in der Nähe des Steindamms inmitten vieler kleiner türkischer Geschäfte gibt es eine Handvoll Moscheen, von denen die große Centrum Moschee sehr beeindruckend ist. Erst 1977 ist sie aus dem ehemaligen Hammoniabad entstanden. Zwei Minarette mit grün-weißen Hexagonen zieren sie, ein Kunstwerk von Boran Burchardt. Man kann sie besichtigen, wenn man beim Pförtner fragt. Sonst lohnt sich auch ein Tee im angeschlossenen Restaurant.
Reißverschlusshaus St. Georg - Foto: Hamburg-Greeter

Vom Bahnhof zur Alster

Wir starten am Deutschen Schauspielhaus, mit 1.200 Sitzplätzen eines der größten deutschen Sprechtheater. Eröffnet im September 1900 war es nach dem damaligen technischen Stand das modernste Theater im deutschsprachigen Raum. Es wurde nach dem Vorbild des Volkstheaters in Wien konstruiert. 2013 wurde es von Grund auf renoviert, inklusive des alten Deckengemäldes im Zuschauerraum. Bei Hunger empfehlenswert ist die im Souterrain befindliche „Kantine“, die ursprünglich für die Schauspieler reserviert war.
Fast nebenan befindet sich das Hotel „Reichshof“. Emil Langer eröffnete es 1910 zu Ehren von Kaiser Wilhelm II, kurz nachdem der Hauptbahnhof fertiggestellt wurde. Ein Blick ins Innere lohnt sich: Die „Bar 1910“ im Art-Deco-Stil, die Empfangshalle mit italienischen Marmorsäulen und das Restaurant sind absolut sehenswert.
Weiter in Richtung Alster treffen wir auf das 5-Sterne-Superior-Hotel „Atlantic“. Es wurde nach den Plänen der Architekten F. Wellermann und P. Fröhlich 1909 eröffnet. Der Reeder Albert Ballin war an der Entwicklung beteiligt, um für die 1. Klasse-Passagiere der Hapag eine geeignete Unterkunft zu schaffen. Bei bis zu 1.200 möglichen Gästen gilt Udo Lindenberg seit 1995 als prominentester Dauergast. Das Restaurant und eine Galerie sind bestückt mit seinen sogenannten „Likörellen-Bildern“. Weitere Berühmtheit hat das Hotel durch den 18. James Bond Film „Der Morgen stirbt nie“ erhalten, der 1997 hier gedreht wurde.
Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung zur Außenalster. Dort hat man einen schönen Blick über das Wasser mit Fahrgastschiffen, Segel- und Ruderbooten und kann ebenfalls in netten Cafés einkehren und dem Treiben zuschauen.
Buntes St. Georg - Foto: Hamburg-Greeter

Kulturelle Vielfalt

Wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt gelangen wir zum Hansaplatz mit dem Hansa-Brunnen von 1878, oben geschmückt von der Hansa, einer Allegorie auf die Stärke und Macht des Hansebundes. Nach der Zerstörung einiger umliegenden Wohnhäuser im 2. Weltkrieg war der Platz bevölkert von Drogenhändlern, der Trinkerszene und Prostituierten. Inzwischen wurde der Platz gründlich saniert und ist heute die Heimat zahlreicher Cafés und Restaurants.
Entlang des Steindamms, einer der ältesten und bewegtesten Straßen im Viertel, treffen wir auf das Variété-Theater „Hansa-Theater“, das Savoy-Kino mit roten Plüsch-Sesseln und gegenüber auf das „Polittbüro“ des bekannten und preisgekrönten Hamburger Kabarettduos HERRCHENS FRAUCHEN (Lisa Politt und Gunter Schmidt). Das alles inmitten eines bunten Treibens und überwiegend orientalischen Geschäften für die hier lebende überwiegend türkische Bevölkerung. Im „Lindenbasar“ taucht man ein in eine völlig andere Welt mit einer tollen Präsentation und einer riesigen Gewürz- und Nuss-Auswahl. Und wer es süß mag, sollte unbedingt die Bakhlava im „Oriental Sweets“ ganz in der Nähe probieren.
Die zweite wichtige Straße in St. Georg ist die 730 Meter lange Lange Reihe mit einer Ansammlung von Restaurants, Bars, Cafés, Boutiquen und kleinen Läden. Zwischen dem ältesten Fachwerkhaus der Stadt, dem Geburtshaus von Hans Albers, und dem Wohnhaus des Dichters Hans Leip finden sich hier in der warmen Jahreszeit zahlreiche Tische und Stühle vor den Lokalen auf den Gehwegen.
Empfehlenswert ist hier seit 1939 das alte Kaffeehaus „Café Gnosa“ mit köstlichen Kuchen aus der hauseigenen Konditorei und Treffpunkt der Gay-Szene und zahlreicher Touristen. Zum Shoppen bietet sich die „Koppel 66“ an, eine ehemalige Maschinenfabrik, die zu einem Kunsthandwerker-Haus umgestaltet wurde. Hier befinden sich neben einem Café auf 3 Etagen offene Ateliers von 18 Künstlern und Kunsthandwerkern in 12 Ateliers.

Alles über "Greets"

  • Dauer: zwei bis drei Stunden und absolut kostenlos
  • Max. 6 Leute, keine Kombination verschiedener Gruppen
  • Treffpunkt und genaue Route: nach Vereinbarung von Gast und Greeter*in
  • Anfragen: bitte spätestens zwei Wochen vor dem Wunschtermin
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