Spaziergang über den Friedhof Ohlsdorf 

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Der Friedhof Ohlsdorf ist in 20 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Innenstadt aus gut zu erreichen. Auch mit dem PKW ist die Anfahrt gut machbar, auf dem Friedhofsgelände selbst stehen zahlreiche kostenfreie Parkplätze zur Verfügung. Größer als der New Yorker Central Park, hat der Hamburger Friedhof auf rund 390 Hektar viele Facetten und unterschiedliche Bereiche.
Teiche, Wasserläufe und Waldareale wechseln sich ab mit großen und kleinen Denkmälern, Kapellen und Kunstwerken. Mal auf geraden, dann auf geschwungenen Wegen, sind Grabstätten Prominenter und exotische wie auch traditionelle Grabgestaltungen zu finden. Der Friedhof darf mit dem Auto befahren werden, auch zwei Buslinien verkehren auf dem Friedhofsgelände.
Dein Besuch wird dir hier Hamburger Geschichte zeigen. Du stößt beim Spaziergang auf Engel und vielfältige andere Skulpturen, auch manch Unbekanntes wie etwa ein Kolumbarium wirst du hier entdecken. Neben den klassischen Friedhofswerken gibt es aus neuerer Zeit Paargräber, „Mensch und Tier“-Gräber und Schmetterlingsgräber zu entdecken.
In einem Greet (eine Führung der besonderen Art) von zwei bis drei Stunden lässt sich hier auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf jede Menge erkunden, wobei für Einsteiger der ältere westliche Parkteil, den Wilhelm Cordes ab 1877 gestaltete, ein schöner Startpunkt ist (direkt ab der U-Bahn-Station Ohlsdorfer Friedhof).

Toller Herbstspaziergang über den Ohlsdorfer Friedhof

Auf unsere sehr spontane Anfrage, ob sich für den Besuch unserer Oma ein Greet organisieren ließe, hat sich Rainer mit dem Vorschlag einer Tour über den herbstlich gefärbten Ohlsdorfer Friedhof...

Auf dem größten Parkfriedhof der Welt

Ohlsdorfer Friedhof - Park - Foto: Carsten Fischer

Ohlsdorf - der Park

Bestattungskultur wandelt sich. Insbesondere die stark steigende Zahl der Urnenbeisetzungen wie auch Seebestattungen und Friedwälder haben zu einem geringeren Platzbedarf für Gräber geführt. Um den Friedhof wirtschaftlich zu betreiben hat die Friedhofsverwaltung die aktiven Grabfelder auf rund die Hälfte der Fläche reduziert und die freien Flächen zum Teil naturnah gestaltet, zum Teil weltlichen Nutzungen geöffnet.
Die freien Flächen sollen nun verstärkt mit Leben und Veranstaltungen gefüllt und der Park damit als Naherholungsgebiet entwickelt werden. Lesungen in einer stillgelegten Kapelle, das Pausenbrot auf einer Wiese verzehren, Konzerte und Vorträge genießen – all dies und noch mehr ist Teil des Projektes „Ohlsdorf 2050“. So sind hier nun auch Tagungen und Seminare in Hallen oder in einer Kapelle mit aktueller Tagungstechnik nur einige Beispiele dieser ungewöhnlichen Öffnung des Parkfriedhofes.
Auch dem Erhalt der Denkmäler, die nach dem Ende der 25-jährigen Grabregelnutzung dem Verfall preisgegeben sind, hat sich der Friedhof verschrieben, damit Stadtgeschichte und Denkmalpflege erlebbar bleiben.
Mit seiner Fläche von 389 Hektar befindet sich hier nicht nur der größte Parkfriedhof der Welt, sondern mit 36.000 Laub- und Nadelgehölzen auch Hamburgs größter Frischluftlieferant. Die Natur nimmt dieses Angebot durch den Zuzug von Eichhörnchen, Hasen, Igel, Marder, Rehen, Füchsen und Waschbären an. Auch viele Vogelarten, Fledermäuse und Wildbienen sind im Ohlsdorfer Parkfriedhof heimisch.
Schon aktuell ist es im Sommer im Park zwei Grad kühler als in der Umgebung, zusätzlich fördert der Park das Klima durch Bewässerung mit Brauchwasser, liefert rund 1.000 Tonnen Holzschnitzel an Heizkraftwerke, betreibt mit Mulch und Kompost Kreislaufwirtschaft und aktiven Artenschutz.
Ohlsdorfer Friedhof - Prophet und Genius - Foto: Carsten Fischer

Besondere Fundstücke auf dem Friedhof

Der Stille Weg ist einer der schönsten Fußwege – auf einem Kilometer ist er gesäumt von Teichen und Blumenwiesen, die Wegführung ist dank historischer Wegweiser gut zu finden: er beginnt bei der Dichterecke und endet am Wasserturm. Der an der Cordes-Alle gelegene, im historistischen Baustil 1898 gebaute Wasserturm ist dann auch Übergang zum nordöstlich gelegenen Garten der Frauen. Dort stehen etwa 80 historische Grabsteine. Auf der aus vielen Sandsteinen zusammengesetzten Erinnerungsspirale befinden sich 61 Namen, die an verdiente Hamburgerinnen erinnern.
Das „Revier Blutbuche“ (Polizeigräber) ist eine Ehrengrabstätte der Hamburgischen Polizei. Sie ehrt Polizisten, die im Dienst von Rechtsbrechern getötet wurden. Ähnliches gibt es für im Einsatz verstorbene Feuerwehrleute.
Die Gemeinschaftsgrabstätte für Mensch und Tier gibt es erst seit dem März 2020. Dort darf eine Grabstätte außer verstorbenen Menschen auch verstorbene Haustiere (auch mehrere) in Urnen als Grabbeigabe aufnehmen.
Während des Besuches stößt du auch unweigerlich immer wieder auf eine der 13 Kapellen des Friedhofes, an denen du auch öffentliche WCs findest.
Auch ein Rosengarten hat rechts vom Haupteingang Platz in Ohlsdorf. Mit 50 Arten bringt er es auf etwa 2700 Rosen. Eine Büste des ersten Direktors des Friedhofs, Wilhelm Cordes, ist dort vom geschwungenen Weg aus zu sehen.
Unmittelbar an den Rosengarten angrenzend findest du den Südteich – dort lassen sich bei einer kleinen Pause auf einer Bank gut Vögel beobachten.
Ohlsdorfer Friedhof - Jan Fedder - Foto: Carsten Fischer

Grabstätten Prominenter

Über 200.000 Gräber gibt es auf dem Friedhof Ohlsdorf – und rund 200 davon sind Promi-Gräber. Diese sind über den Friedhof verstreut, und daher musst Du etwas Sucharbeit leisten, um diese aufzufinden.
Fürs Smartphone gibt es eine kostenpflichtige APP des Friedhofes, die Dich zu den sehenswerten Gräbern führt. Doch auch analog macht der Besuch Spaß. Der Friedhof hat sein eigenes Koordinatensystem, und der Plan ist sowohl auf der Webseite des Friedhofs als auch in Papierform zur Orientierung bei den Friedhofs-Gärtnereien und im Info-Häuschen am Fußgängereingang am Bahnhof Ohlsdorf kostenlos zu bekommen. Auf der Webseite des Friedhofes findet sich auch eine vollständige Liste aller prominenter Gräber.
Hier einige Promis zum Besuchen:
Helmut Schmidt (1918–2015): Er prägte als Bundeskanzler das Land, später war er allseits als altersweiser Staatsmann sehr beliebt. Seine Ehefrau Loki liegt neben ihm begraben. Zu finden bei U33 244–249.
Monica Bleibtreu (1944–2009): Die Mutter von Moritz war eine berühmte Schauspielerin aus einer bekannten Schauspieler-Dynastie. Sie wohnte bis zu ihrem Tod durch Lungenkrebs in St. Georg. Du findest ihr Grab bei U7 362.
Jan Fedder (1955–2019): Der Schauspieler und Synchronsprecher ist einer der beliebtesten Söhne der Hansestadt. Bekannt durch die Rolle des Polizisten Dirk Matthies in der Fernsehserie „Großstadtrevier“. Zu finden bei T22 1–9, U22 1–7, Patengrab.
Carl Hagenbeck (1844–1913): Der Tierhändler und Zoodirektor revolutionierte die Zooarchitektur. Mit der Berechnung von Sprungweiten der Tiere ermöglichte er Freigehege ohne Zäune. Bei AE15 43–58.
Carl Tchilling-Hiryan (1910–1987): Der Kaufmann und Unternehmer armenisch-deutscher Abstammung war Mitbegründer des Tchibo-Konzerns. Das Grab ist bei O12 190–191.
Ohlsdorfer Friedhof - Ohlendorf Mausoleum - Foto: Carsten Fischer

Geschichte des Ohlsdorfer Parkfriedhofes

Anfangs hatte die Stadt Hamburg ihre Toten in oder bei den Kirchen in der Stadt beerdigt – die Toten sollten damals bei den Lebenden ruhen. Natürlich spielte dann der Wohlstand der Verstorbenen eine gewichtige Rolle, ob das Grab aufwendig oder bescheiden ausfiel.
Jedoch kam bei den fünf Hauptkirchen Hamburgs durch das Wachstum der Bevölkerung diese Methode an ihre natürlichen Grenzen. Auch waren die verfügbaren Flächen im Falle von Epidemien viel zu klein und das Infektionsrisiko hoch.
Da zentrale Flächen für Friedhofsnutzung in Hamburg zu teuer waren, entstanden dann zunächst ab ca. 1790 sogenannte „geordnete Begräbnisflächen“ außerhalb der Stadt unter dem heutigen Hauptbahnhof und vor dem Dammtor, die den fünf Kirchspielen zugeordnet waren. Konsequenterweise hat die Stadt dann allerdings ab 1812 alle Beerdigungen im Stadtgebiet untersagt.
Das weitere rasante Wachstum der Stadt führte schließlich zunächst zur Doppelbelegung der Gräber „übereinander“, oft sogar bis dicht unter die Oberfläche. Der Gedanke an einen Zentralfriedhof entstand, und die Stadt Hamburg eröffnete schließlich 1877 den Ohlsdorfer Friedhof. Im Rahmen der gewandelten Werte geschah dies auch mit den Zielen, sich Einnahmen zu sichern und den Kirchen Einfluss auf die Bestattung zu nehmen. Allen Religionen sollte der Friedhof offenstehen und auch den Armen Einzelgräber und eine ästhetische Landschaftsgestaltung im Grünen bieten.
Von der ehemaligen Begräbnisfläche wurden die erhaltenswerten Grabmale in den sogenannten Denkmalhof des Ohlsdorfer Friedhofs gebracht. Daher findest du heute als einzige Spuren der früheren Zeiten auf dem Messegelände eine Kapelle und im Park Planten und Blomen einen Gedenkstein der über eintausend im Zuge der französischen Besetzung verstorbenen Hamburger.
Die Anlage des Friedhofs nach Vorbildern englischer Landschaftsgärten erfolgte durch den Architekten Johann Wilhelm Cordes. Bis zu seinem Tod war dieser dann 40 Jahre Friedhofsdirektor. Erste Friedhofskapelle war zu Beginn ein mit den Ländereien erworbenes Bauernhaus, das nach 20 Jahren Nutzung dem heutigen Haupteingang weichen musste. Spätere Erweiterungen führten zum heutigen Erscheinungsbild dieses einzigartigen Parkfriedhofes.

Alles über "Greets"

  • Dauer: zwei bis drei Stunden und absolut kostenlos
  • Max. 6 Leute, keine Kombination verschiedener Gruppen
  • Treffpunkt und genaue Route: nach Vereinbarung von Gast und Greeter*in
  • Anfragen: bitte spätestens zwei Wochen vor dem Wunschtermin
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