Rundgang durch Ottensen mit den Hamburg Greetern

OttensenOttensen ist ein Stadtteil, der sich immer wieder neu erfinden musste: von einem Bauerndorf am Rande von Altona über ein Zentrum der norddeutschen Eisenverarbeitung bis hin zur Industriebrache, von einem roten Arbeiterquartier zu einem angesagten Wohnquartier mit bürgerlichen und multi-ethnischen Bewohnern. Dazu ist es heute als ein hippes Szenequartier bekannt, das für alternatives Shopping, vielfältige Kultureinrichtungen und für einen Treffpunkt jüngerer Partygänger steht.
Für einen Rundgang durch Ottensen mit den Hamburg-Greetern also ein idealer Hintergrund!

Vom Industriestandort zum Kulturtreffpunkt

Dank unserer Greeterin Lisa haben wir einen etwas "anderen" Eindruck von Hamburgs Westen erhalten. Im hübschen Ottensen ging es u. a. durch ehemalige Fabrik-Hinterhöfe, eine ganze Straße unter...

Bummeln und klönen im charmanten Ottensen

Tolle Stunden mit unserem Greeter Wolfgang, sehr freundlich und kompetent. Er kannte alle Abfahrtszeiten der Fähren und Busse und hat uns viel über Hamburg erzählt und gezeigt. Neben dem Klassiker...

Früher dänisch, heute Hamburg

Durch die tolle Führung von Martin haben wir einen Stadtteil von Hamburg (Ottensen) kennengelernt, den wir garantiert sonst nicht besucht hätten. Die Führung war fundiert, kenntnisreich, sympathisch...

Besondere Läden und verwunschene Hinterhöfe

Am Montag, den 14. Oktober hatten wir  Glück, eine "Greet-Wanderung" mit Renate zu machen. Es war wirklich toll, Altona und Ottensen so zu entdecken. Dank Renate konnten wir in einzigartige Höfe,...

Versteckte Ecken und Hinterhöfe entdecken

Ottensen - Foto: Martin Ketels

Die dänische Vergangenheit

Ein Dorf nördlich der Elbe
Lange bevor Ottensen im Jahr 1890 als ehemals größtes Dorf Preußens nach Altona eingemeindet wurde (und mit Altona 1938 an Hamburg fiel), war es ein eher beschauliches Dorf mit einer Handvoll Höfen auf dem Geestrücken oberhalb des Flusses. Das Wegenetz dieses Dorfes erkennt man heute noch an den engen Straßen Ottensens. Das Gebiet gehörte aufgrund von Erbstreitigkeiten seit 1640 dem dänischen Königshaus.

Die Eisenbahn kommt
An der Grenze zwischen Altona und Ottensen eröffneten die Dänen 1844 den Bahnhof einer Eisenbahnlinie, die von Kiel bis an die Elbe führte. Vom Endbahnhof (Teile davon sind noch im heutigen Altonaer Rathaus erhalten) wurden die Waren aus Kopenhagen über eine schiefe Ebene bis zum dänischen Freihafen in Neumühlen gebracht und von dort über die Nordsee verschifft. Das Dorf Ottensen wurde für Kleingewerbe (Fischverarbeitung, Glasbläser, Zigarrendreher) interessant.

Eine Grenze zu Altona entsteht
Weil wohlhabende Kaufleute aus Altona die deutschen Freiheitsbestrebungen in Schleswig-Holstein unterstützt hatten, wurde Altona „zur Strafe“ aus dem dänischen Zollverbund ausgeschlossen. Jetzt blühte das Gewerbe in Ottensen ohne Altonaer Konkurrenz auf, genauso florierte der Schmuggel über die Zollgrenze hinweg. Erst nach dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 fiel das Gebiet an Preußen.

Rundgang Hamburg Ottensen - Stückgut - Foto: Martin Ketels

Leben und leben lassen

Nicht nur Shopping
Ottensen gilt heute als Trend-Stadtteil, wo viele Leute gern wohnen möchten. Aus manchen WG-Wohnungen wurden im Laufe der Zeit Quartiere von gut situierten Familien, die offen sind für neue Ideen. Das macht sich auch im innovativen Angebot der Läden bemerkbar. Die Gegend um die Ottenser Hauptstraße und Bahrenfelder Straße zieht mittlerweile Kunden aus ganz Hamburg an.

Sprungbrett für neue Ideen
Zum Beispiel „’s Fachl“ (österreichisch: das kleine Fach) am Spritzenplatz: Der Laden stellt Fächer zum Mieten bereit und fragt: „Produzierst du noch oder verkaufst du schon?“ Hier können junge Produzenten ausprobieren, ob ihre Produkte bei Kunden ankommen. Bei Erfolg könnte man dann mehrere Fächer dazu mieten oder sich später einmal selbständig machen.

Kultur genießen und feiern
Die FABRIK (ehemalige Munitionsfabrik) startete vor 50 Jahren als Zentrum für Jugendarbeit und ist heute als Veranstaltungsbühne weit bekannt. Hier traten schon große Namen der internationalen Musik-Szene auf. Wo früher Schiffsschrauben produziert wurden, ist ein Programmkino eingezogen. Sechs Theater in Ottensen und dem Nachbarstadtteil Altona finden ihr Publikum, und besonders an Wochenenden kommen viele Menschen aus dem Umland, um hier „groß Party zu machen“.

Ottensen - Zeisehallen - Foto: Martin Ketels

Wohl und Wehe der Industrialisierung

Zügellose Produktion
Nachdem Ottensen zu Preußen kam und nun zum deutschen Zollverein gehörte, entstanden die ersten Fabriken der Eisenverarbeitung. Die Firma Menck & Hambrock beschäftigte bis zu 2000 Arbeiter in der Produktion von Dampframmen und Baggern. Die Beschäftigungszahlen schwankten von Woche zu Woche je nach Auftragslage um bis zu 40 %, weil die Firma ihre Arbeiter ohne Kündigung am Abend eines jeden Tages entlassen konnte.

Gulaschkanone und Schiffsschrauben
Der Erfinder und Tüftler Theodor Zeise gründete in Ottensen eine Eisengießerei und produzierte für die Armee eine mobile Feldküche, die sogenannte Gulaschkanone. Sein Sohn Alfred verfeinerte die Produktion von Schiffsschrauben. An jetzt 6 Standorten im Stadtteil konnten Schiffsschrauben bis 9 m Durchmesser hergestellt werden. Die einzelnen Betriebsteile waren mit einer Industriebahn verbunden.

Strukturwandel und Gentrifizierung
Obwohl Weltmarktführer in den 60er Jahren war Zeise in den 70er Jahren nicht mehr konkurrenzfähig. Die Hallen standen lange leer oder wurden abgerissen. Auf leeren Flächen sollten gigantische Neubauten entstehen, doch setzten Bürgerinitiativen durch, dass Bauspielplätze entstanden und einige Freiflächen blieben. In anderen Industriegebäuden zog die kreative Medienwirtschaft ein und sorgte für einen erheblichen Strukturwandel im Viertel („Gentrifizierung“).

Mercado Ottensen - Foto: Martin Ketels

Das Mercado - ein besonderes Einkaufszentrum

In unmittelbarer Nähe des Bahnhofes lassen die ca. 30 Marktstände im Mercado den Eindruck eines mediterranen Wochenmarktes entstehen. Zusammen mit 40 weiteren Geschäften und der öffentlichen Bücherhalle bietet das Einkaufszentrum ein vielfältiges Angebot an Spezialitäten aus vielen Ländern. Hier gibt es frischen Fisch aus der Nordsee, japanische Suppen, orientalische Süßspeisen und vieles mehr. Die Ottenser Bevölkerung liebt ihr Mercado. Das war aber nicht immer so.

Ein fast vergessener Friedhof ändert alles
Seit 1663 war hier ein jüdischer Friedhof, die letzte Beisetzung fand 1934 statt. Nach dem Krieg wurde auf einem Teil des Geländes das Kaufhaus Hertie gebaut, der Rest des Geländes wurde Parkplatz. 1988 wurde Hertie abgerissen, es sollte ein größeres, modernes Einkaufszentrum entstehen. Viele Ottenser waren dagegen, sie befürchteten eine Zunahme des Autoverkehrs. Und dann kamen strenggläubige Juden, die gegen eine Schändung ihres Friedhofes protestierten. Das wurden sogar Top-News in den USA.

Ein Kompromiss wurde möglich
Auf eine Tiefgarage verzichtete man, der bisher unangetastete Parkplatz wurde mit einer Betonplatte gedeckelt, und mit einer Infowand wird der 350 Jahre jüdischer Begräbnisse hier in Ottensen gedacht.

Ottensen - Foto: Martin Ketels

Neues Leben in alten Gemäuern

Nicht nur die Motten
Als Ende der 70er Jahre die Eisenindustrie den Stadtteil verließ, träumten einige Stadtplaner davon, das ganze Gebiet großflächig abzureißen und hier bis zu 20-stöckige Wohntürme zu errichten. Großes Elend war mit dem Stadtteil verbunden: So litten viele Glasbläser in ihren engen Wohnquartieren vor 130 Jahren an Tuberkulose, die umgangssprachlich „die Motten“ genannt wurde. Man hatte Löcher in der Lunge, wie ein von Motten zerfressenes Stück Stoff. Daraus leite sich die Bezeichnung „Mottenburg“ für Ottensen ab.

Vom Sanierungsgebiet zum angesagten Stadtteil
Aus der geplanten Flächensanierung wurde nichts. In die billigen Wohnungen des alten Arbeiterstadtteils zogen viele Studenten oder Familien ausländischer Arbeiter ein, einige Baulücken wurden durch Neubauten geschlossen. Doch der Wandel von einem Sanierungsgebiet zu einem der angesagtesten Stadtteile Hamburgs hängt auch damit zusammen, dass ungewöhnliche Dinge erhalten werden konnten.

Ein Hühnerhof mitten in der Stadt
„Die Motte“ ist eine Initiative in einer ehemaligen Schokoladenfabrik für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit. Dahinter liegt ein Hühnerhof, gleich zwischen der Kita und dem Nachbarschaftsgarten. Oft bleiben Familien am Weg zum Spielplatz hier stehen und beobachten die Tiere. Wer Glück hat, kann morgens auch Eier bekommen.

Övelgönne - Foto: Martin Ketels

Övelgönne - Ottensens Schwester am Wasser

Eine eigene Welt für sich
Övelgönne ist eine dörfliche Siedlung längs des Elbstrandes. Der Name kommt aus dem plattdeutschen: oevel = übel, goenne heißt gegönnt. Ein Ort, der also übel gegönnt wird. Alle, die dort wohnen, werden missgünstig betrachtet, auch von den wohlhabenden Kaufleuten, die oben von der Elbchaussee auf Övelgönne herab blickten. Von alters her wohnten hier Kapitäne, Lotsen, Fischer und Leimsieder an der einzigen Straße, dem sogenannten Kapitänsweg.

Keine Sprachprobleme?
Man sagt, hier werden drei Sprachen gesprochen: Hochdeutsch, Plattdeutsch und über andere Leute… Wer einmal hier wohnt, zieht nicht so schnell wieder weg, was auch damit zusammen hängt, dass auf dem zwei Meter breiten Kapitänsweg keine Autos fahren können. Alles muss teilweise mehrere Hundert Meter getragen oder gezogen werden: Mülleimer, Einkäufe, auch mal ein Klavier.

Ein beliebtes Ausflugsziel
Der Museumshafen in der Nähe lohnt sich immer. In der schönen Jahreszeit zieht der Strand viele Sonnenhungrige zu Spiel, Spaß und Picknick an. Besonders an Wochenenden wird der Kapitänsweg zu einer belebten Flaniermeile. Dann verziehen sich die Anwohner und besuchen sich höchstens hinten über die Gärten, wo früher ein Verbindungspfad die Häuser „von Küche zu Küche“ verband.

Alles über "Greets"

  • Dauer: zwei bis drei Stunden und absolut kostenlos
  • Max. 6 Leute, keine Kombination verschiedener Gruppen
  • Treffpunkt und genaue Route: nach Vereinbarung von Gast und Greeter*in
  • Anfragen: bitte spätestens zwei Wochen vor dem Wunschtermin
  • Mehr über Greets