Hamburg-Niendorf 

Stadtteilrundgang mit Jürgen Schlenker

Hamburg Greeter Jürgen SchlenkerEigentlich wollte ich nie einen Greet für meinen Stadtteil Niendorf, in dem ich seit 18 Jahre wohne, durchführen. In Zeiten von Corona ist das Spazierengehen noch erlaubt. Und so habe ich bei strahlendem Sonnenschein alleine eine schöne Rad – Rundtour gemacht. Ich dachte mir, dass es auch Anderen Spaß machen könnte, die gleiche Gegend zu erkunden, nach dem Motto: „Ich war noch niemals in……Niendorf“. Ein Teil der Tour streift auch Eidelstedt, Stellingen und Lokstedt.

Niendorf selbst ist ein ruhiger „Schlafstadtteil“. Abends ist hier nichts los und die wenigen Gaststätten schließen zumeist spätestens um 22 Uhr. Ganz ruhig ist es nicht, weil der Flughafen etwas Lärm herüberweht. Trotzdem hat der Stadtteil eine hohe Lebensqualität. Wenig Kriminalität, gute Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktur, keine Industrie und sehr viel Grün. Architektonisch hat der Stadtteil mit wenigen Ausnahmen nicht viel zu bieten.

Los geht es auf dem Tibarg, das ist die Fußgängerzone mit Einkaufszentrum. Es handelt sich um den alten Dorfkern, an dem bis zu den Bombenangriffen 1943 noch etliche Bauernhäuser standen. Die Fußgängerzone ist durch die Verlängerung der U-Bahnlinie U2 bis Niendorf-Markt (1985) entstanden. Der Bahnhof befindet sich direkt unterm Tibarg. 1991 wurde die Linie bis Niendorf-Nord verlängert. Am 30.9.1978 endete die letzte Straßenbahn am Niendorf Markt.

Hamburg-Niendorf TibargAuf dem Tibarg ist tagsüber viel los. Wenn ihr den Bahnhof Richtung Norden verlasst, kommt ihr zum Tibarg-Center. Es lohnt sich, einen kurzen Blick in das relativ kleine Einkaufscenter zu werfen. Ich finde das Spielwarengeschäft, den Teeladen und den Eisstand besonders empfehlenswert.

Wendet euch jetzt nach Süden. Vielleicht begegnet euch jemand vom NDR oder Alfons mit dem Püschelmikrofon. Da der NDR nahe ist, schwärmen die Redakteure für Befragungen gern auf den Tibarg aus.

 

Hamburg-Niendorf Marktkirche

Hamburg-Niendorf TafelAm Ende des Tibargs müsst ihr die Kollaustraße (B447) überqueren Auf der anderen Seite seht ihr schon das architektonische Kleinod Niendorfs: Die 1770 geweihte Marktkirche gilt nach dem Michel als bedeutendstes Barockbauwerk Hamburgs. Der Architekt Heinrich Schmidt gestaltete den achteckigen Zentralbau nach dem Vorbild der Rellinger Kirche.

Gleich hinter der Kirche fängt das Niendorfer Gehege an. Es ist ein 150 ha großer Wald, der erst seit 1952 öffentlich zugänglich ist. In diesem Gebiet hatten sich seit 1900 viele Hamburger Kaufleute Gartenvillen gebaut, die heute z.T. unter Denkmalschutz stehend, noch zu sehen sind.

Mutzenbecher VillaNeben der Mutzenbecher-Villa, die gerade vor dem Verfall gerettet wird, ist die ehemalige Villa von Johann Theodor Merck, Direktor der HAPAG unter dem Generaldirektor Albert Ballin, erwähnenswert. Hier folgt jetzt ein bisschen Regenbogenpresse: Die Villa wurde nach langem Leerstand ca. um 2000 von Dana und Til Schweiger gekauft. Nach der kurz danach erfolgten Trennung der beiden, wohnte Dana Schweiger bis 2016 dort. Dann kaufte Frank Otto das Anwesen für seine „Ex“ für 3,6 Mio.€. Ein Schnäppchen bei 670 m² Wohnfläche, 15 Zimmern und 1571 m² Grundstück. Wegen eines 4 Meter hohen Palisadenzauns kann man das Haus aber leider nicht sehen.

Das Niendorfer Gehege ist aber mehr als „nur“ ein Wald. Bei der Revierförsterei kann man vor Ostern (2020 wegen Corona leider nicht) und Weihnachten Wildfleisch kaufen. Neben der Försterei befindet sich das Wildgehege, das bei Kindern sehr beliebt ist. Sehr beliebt ist auch der Waldspielplatz.

Niendorfer Gehege 2
Niendorfer Gehege - 3

Im Gehege sollte man etwas kreuz und quer gehen, um den Wald aber auch Tümpel, kleine Lichtungen, die Villen, Moorgebiete und die vielen Wanderwege zu genießen.

Weg durch das Niendorfer Gehege

 Irgendwann kommt man zum Waldcafe Corell. Das ist seit 39 Jahren eine Institution in Niendorf. Wildgerichte sind zu empfehlen, aber es gibt auch leichtere Kost und natürlich auch Kaffee und Kuchen. Das Haus ist ein sechseckiger Holzbau. Drinnen rustikal und draußen ein schönes Gartenlokal. Vorbestellung tagelang vorher ist angeraten.

Waldcafe Corell - Niendorfer Gehege

Der Blick vom Waldcafe geht zu einem Ponyhof. Wohl jedes Niendorfer Kind hat hier seine ersten 20 Minuten auf dem Rücken eines Ponys gesessen. Der Blick geh weiter auf eine weite Wiesen- und Knicklandschaft. Vorbei an der großen Ponywiese erreichen wir die Kollau, einen 6 Kilometer langen Bach, der in Schnelsen entspringt, erst die Grenze zwischen Schnelsen und Niendorf und dann zwischen Eidelstedt und Niendorf bildet. Auf der anderen Seite befindet sich die Eidelstedter Feldmark.

Pony im Niendorfer Gehege
Niendorfer Gehege - Kollau

Hier ist man mitten auf dem Lande. Mittendrin liegt der Bauernhof Ramcke. Seitdem die neuen Lärmschutzwände an der A 7 fertig gestellt worden sind, ist es hier völlig ruhig geworden. Bauer Ramcke bietet auch ca. 200 Hobbygärtnern Saisongärten an. Die Feldmark ist frei zugänglich mit schönen Wegen und Ecken.

Niendorfer Gehege - Holloswisch
Niendorfer Gehege - Feldmark
Niendorfer Gehege - Feldmark 2

Zurück geht es zur Kollau. An der Kollau gibt es einen schönen Wanderweg, der auf einem Abschnitt an der Grenze zwischen Niendorf und Stellingen gerade neu gestaltet wurde durch Renaturierung des Bachbettes.

Der Weg nach Norden führt bis fast zur Quelle. Ich bin den Weg „flußabwärts“ gefahren. Links liegt dann wieder das Niendorfer Gehege, rechts der Bahndamm der Güterumgehungsbahn. 

Niendorfer Gehege - Kollau Renaturierung
Niendorfer Gehege - Kollau Renaturierung 2

 

Die Kollau mündet an der Grenze zu Groß Borstel in die Tarpenbek. Wer Lust hat, kann weiter an der Tarpenbek bis zum Eppendorfer Mühlenteich gehen oder Radfahren. Von dort geht es an der Alster bis zum Rathaus. Aber das kennt ihr sicher alle. Wer aber 10 bis 15 Kilometer auf den beschriebenen Wegen gehen oder Fahrrad fahren will, kann irgendwann unter einer Unterführung der Güterumgehungsbahn (Deelwisch oder Wehmerweg) nach Süden nach Stellingen bzw. Lokstedt durchgehen oder -fahren und den U-Bahnhof Hagendeel (U 2) suchen.

Wer sich verirrt, kann auf weiteren Grünzügen den Amsinckpark, Hagenbecks Tierpark, den Eimsbüttler Stadtpark usw. kennen lernen. Aber das wäre ein anderer Greet.

Das war jetzt weniger Niendorf, sondern mehr Wandertag im Grünen. Ich hoffe, ich habe euch die Gegend schmackhaft gemacht.

Und ich habe ganz viel Zahlen weggelassen, was mir immer schwerfällt.

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